2004

Für den Quedlinburger Stadtrat sind zur Kommunalwahl 2004 6 Kandidaten angetreten.

  • Christian Amling,
  • Steffen Kecke,
  • Torsten Kammel,
  • Katharina Grube,
  • Uwe Kramer,
  • Marlies Brunkau.

Schwerpunkte und Grundlagen für die Vertretung Ihrer Interessen im neuen Quedlinburger Stadtrat

Am 13. Juni tritt das Bürgerforum Quedlinburg zum vierten Mal zur Kommunalwahl mit Kandidaten für den Quedlinburger Stadtrat an. Zwei der Kandidaten, Steffen Kecke und ich, Christian Amling, sind nicht zum ersten Mal dabei.

Ich, der Autor dieses Artikels, bin seit einigen Jahren der Vorsitzende des BFQ.

Von Beruf bin ich Physiker, betreibe aber schon seit 1982 zusammen mit meiner Lebensgefährtin eine Keramikwerkstatt auf der Altenburg. Viele von Ihnen werden mich aus Gelerien oder von Kunstmärkten her kennen.

Ich saß bereits während der "Wende-Zeit" am Runden Tisch und bin seit nunmehr 3 Legislaturperioden im Quedlinburger Stadtrat vertreten.

Steffen Kecke, der stellvertretende Vorsitzende des Bürgerforums, ist Mathematiker und leitet die Arbeitsgruppe Datenverarbeitung der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ). In den nächsten Jahren zieht die Bundesanstalt in ihren neuen Standort auf dem Moorberg, woran er, nicht nur als Wissenschaftler, kräftig mitwirken möchte. Seit Jahren pflegt er enge Kontakte zu den Quedlinburger Gymnasien und der Hochschule Harz und bietet Schülern und Studenten in der BAZ die Möglichkeit, an der Lösung konkreter Aufgabenstellungen aus dem Bereich der Informatik im Rahmen von Praktika, gemeinsamen Projekten u. a. zu arbeiten und zu lernen.

Die anderen Vier kandidieren zum ersten Mal in unserer Wählergruppe.

Toni Kammel ist vielleicht noch manch einem als Teufelsgeiger der "Gevattern-Combo" bekannt. Inzwischen spielt er im Wernigeröder Orchester, gibt Unterricht an der Quedlinburger Musikschule und engagiert sich als Vorsitzender ihres Fördervereins sehr stark und erfolgreich für die musizierende Jugend.

Katharina Grube ist Steuerfachfrau. Sie verbringt viel Zeit mit Sport und Fitness-Training.

Uwe Kramer arbeitet in Roßla und erforscht dort die umfangreiche Geschichte des Biosphärenreservats "Karstgebiet Südharz", das sich von der Mooskammer über den Periodischen See bis weit hinter die Heimkehle erstreckt. Von Beruf ist er Diplom-Landwirt und Ornithologe.

Marlies Brunkau ist Krankenschwester im Quedlinburger Klinikum. Sie arbeitet in der Notaufnahme und wird zu jeder Tageszeit mit den schweren Problemen akut kranker und verunglückter Menschen konfrontiert.

Obwohl wir nur sechs Frauen und Männer sind, sind unsere beruflichen Betätigungsfelder sehr vielseitig und decken ein weites Spektrum öffentlich interessanter Themen ab: Wissenschaft, Kunst und Musik, Finanzen und Sport, Umweltschutz, Fürsorge und Gesundheitswesen.

In unserem Wahlkampfblättchen stellen wir die Frage:

Seid Ihr noch das Volk?

An wen ist sie gerichtet? Die Antwort lautet: An alle!

Einige von Ihnen stehen in guten Jobs sicher in Lohn und Brot, andere verdienen gutes Geld, aber ihre Arbeitsplätze sind unsicher und kippeln. Wieder andere schlagen sich als Selbständige in gut oder schlecht laufenden Gewerben durchs Leben und ein immer größerer Anteil lebt von der Gnade des Arbeitsamtes oder muss zusehen, wo er bleibt. Aber auch alle anderen Bürger , Kinder, Jugendliche, Hausfrauen und -männer, älter Menschen und Behinderte sind in diese Betrachtung einbezogen.

Alle diese Bürger werden mit der Tatsache konfrontiert, dass sich die so genante "Öffentliche Hand" zunehmend von einer ausgleichend regulierenden Hand in eine fordernd nehmende Hand verwandelt. In den nächsten Jahren werden auch in Quedlinburg einschneidende Maßnahmen des Verwaltungsapparates darauf abzielen, die Einnahmen zu erhöhen und die Ausgaben zu verringern. Das bedeutet im Klartext, dass für jede Leistung (und in jeder Lebenslage) immer mehr Geld verlangt wird. Demgegenüber werden die "freiwilligen Aufgaben" auf ein Minimum gefahren. Das betrifft Kultur, Jugendarbeit, Bildung, Sport, Tierheim und vieles mehr. Die Begründungen dafür heißen Haushaltsloch, Sparmaßnahmen, Konsolidierung, Reformen, Marktwirtschaft, bundesdeutsches Recht, Gefahrenabwehr oder Eigenverantwortung.

Das sind schöne Worthülsen, die sich leicht daherreden lassen und die Zuständigkeiten in nebulöse Regionen weg delegieren.

Aber immer mehr Menschen durchschauen diesen Mechanismus und verweigern die Akzeptanz. Aus diesem Grund fallen viele Entscheidungen hinter geschlossenen Türen und "das Volk" wird regelmäßig vor vollendete Tatsachen gestellt. Beispiel: Die Zuschüttung des Quedlinburger Freibades. Oder wissen Sie, wie es dazu kam? Deshalb lautet eine unserer Hauptforderungen: Für mehr Transparenz bei Verwaltungsentscheidungen! Ich glaube, dass der Trend zu immer mehr Entscheidungen "hinter geschlossenen Türen" umgekehrt werden muss. Die Verwaltungen der Kommunen, Landkreise, Bundesländer und "des Staates" müssen lernen, dass wir, die Menschen, die Bürger, das Volk, uns nicht mehr alles stillschweigend servieren lassen.

Damit wird dann auch die Worthülse "Eigenverantwortung" ihre Doppelbödigkeit entpuppen. Eigentlich sollen wir nach diesem Schlagwort zusehen, wie wir mit unseren Problemen allein fertig werden. Drehen wir doch den Spieß um: Wir wollen mitreden, Einfluss nehmen, kritisieren und gestalten. Wenn wir uns darauf zurückbesinnen, können wir auch etwas bewirken und einen schleichenden Abbau von Demokratie und kommunaler Selbstverwaltung stoppen. In meiner Arbeit als Stadtrat habe ich erfahren, dass das eine schwierige und langwierige Aufgabe ist, aber dass man auch durchaus etwas Positives erreichen kann, wenn man sich mit guten Argumenten gegen Gleichgültigkeit, Bürokratie und Eigennutz stellt. Und- wenn man nicht allein dasteht!

Christian Amling