DRK-Pflegeheim in der Quedlinburger Innenstadt

Die ehemalige Kreisbibliothek musste nach langem Gerangel einem Neubau weichen, dessen Dimensionen eine Reihe von Fragen aufwerfen.

Zum Beispiel:

  • Wie marode war die Bibliothek wirklich, nachdem Sie 2-mal saniert worden ist?
  • Wie verträgt sich die Dimension des Neubaus mit dem Anspruch, die Quedlinburger Altstadt als Weltkulturerbe zu erhalten?

14/08 2010

Das "Werk" ist fast vollbracht ...

Am Samstag, dem 14.08.2010 konnte das neue DRK-Pflegeheim erstmals besichtigt werden.

Die äußere Hülle ist nahezu fertig gestellt. Sicher wird das Umfeld in den nächsten Wochen noch aufgewertet. So soll zum Beispiel eine Skulptur, die auf die ehemaligen Hausherren - eine Freimaurer-Loge - hinweist, im Eingangsbereich plaziert werden.
Das ändert aber nichts daran, das dieser Bau in Größe und Gestaltung fragwürdig bleibt. Von pfleglichem Umgang mit einem Welterbe kann hier kaum noch die Rede sein. Wie konnte das zugelasen werden? Gilt die Gestaltungssatzung in Quedlinburg nur für den gemeinen Bürger? Mit welchen Maßstäben wird hier eigentlich gemessen?

Die Bilder zeigen den krassen Gegensatz zwischen moderner experimenteller Lückenbebauung unter Verwendung von Elementen und Werkstoffen der Jahrhunderte alten Bebauung der Quedlinburger Altstadt (Wendler-Bau) und einfallsloser Massivbauweise mit einer Fassadengestaltung, die billiger kaum sein kann.
Man könnte meinen, dass mit Jahrzehnten Verspätung an dieser Stelle doch noch dokumentiert werden soll, welche verheerenden Pläne während der DDR-Zeit zu Abriss und Neubebauung der Quedlinburger Innenstadt existiert haben (siehe hierzu: Schauer, Das städtebauliche Denkmal Quedlinburg und seine Fachwerkbauten, 1990, S. 172 ff.).

 

 

 

 

 

27/09 2009

Der Neubau nimmt Form an

Der Baufortschritt ist nicht zu übersehen. Die Größe des neuen Gebäudes leider auch nicht. Was hier, mitten im Sanierungsgebiet von Quedlinburg und ebenfalls mitten im Welterbe "Quedlinburger Altstadt", entsteht, stimmt nachdenklich und lässt Schlimmes befürchten.
Dieser Bau, um den lange gestritten wurde, dürfte kaum der für jeden Normal-Bürger geltenden Gestaltungssatzung entsprechen. Warum die Obere Denkmalschutzbehörde einem Abriss und anschließenden Neubau in dieser Dimension zugestimmt hat, bleibt schleierhaft.

Uns stellt sich an dieser Stelle die Frage: Warum muss Quedlinburg die Gefahr der Aberkennung des Welterbe-Titels herauf beschwören? Reicht es nicht, dass angesicht der Wirtschaftslage und fehlender Finanzen der Stadt die reale Gefahr des Verfalls wichtiger großer Gebäude in der Innenstadt droht (z. B. Kaiserhof, ehemaliges Institut, Speicher in der Jüdengasse, ...)? Selbst der Markt scheint nach dem Eigentümerwechsel vieler wichtiger Gebäude von Leerstand und Verfall bedroht zu sein.
Außerdem hat die Stadt seit Jahren ihre von der UNESCO aufgegebenen Hausaufgaben nicht erfüllt: Es existiert noch immer kein Stadt-Management-Konzept, welches Voraussetzung für den Erhalt des Welterbetitels ist. Seit diesem Sommer wird nach massivem Druck von der Landesregierung fieberhaft - aber trotzdem mit zu wenig Kapazität - daran gearbeitet, zu retten, was zu retten ist.

Und in dieser Situation nun ein Neubau in der Innenstadt, der offensichtlich mit dem Charakter der Altstadt, der Kubatur und Gestaltung ihrer Gebäude sowie dem Welterbegedanken gar nichts zu tun hat. Wenn wir so weiter machen, dann braucht Quedlinburg keine Waldschlösschen-Brücke, sondern nur so weiter zu agieren wie bisher.
Dass Baulücken mit architektonisch hochwertigen und sich in das Umfeld einpassenden Neubauten geschlossen werden, entspricht voll und ganz dem Welterbegedanken. Der gegenüber liegende Bau am Pölkentor ist ein gutes Zeugnis dafür. auch wenn er zur Bauzeit alles andere als unumstritten war. Der DRK-Neubau hingegen ist viel zu dominant und architektonisch bestenfalls ein Zweckbau - und damit für die Quedlinburger Altstadt sehr problematisch.