Kommentar zur Sitzung des Stadtrates am 27.10.2011

Nicht umsonst war die Einleitung eines Verkaufsverfahrens der Kurzentrums Bad Suderode eine Sondersitzung wert. Der entscheidende Tagesordnungspunkt lautete:

Grundsatzentscheidung des Stadtrates zur umfassenden Neukonzeption des Kurzentrums Bad Suderode

Eine Entscheidung, die unserer Meinung nach dem Quedlinburgr Stadtrat von der Landesregierung aufgezwungen wurde, damit das Land sich stillschweigend der Verantwortung entledigen kann.

Warum das Kurzentrum eigentlich ein Kurzentrum des Landes Sachsen-Anhalt ist

Anfang der 90-er Jahre wurde das Kurzentrum mit Hilfe einer 100%-Förderung in der heutigen Form errichtet. Es basierte auf Planungen aus den alten Bundesländern, wie sie dort in ähnlicher Form in den 70-er Jahren üblich waren und war deshalb von Anfang an baulich nicht den Erfordernissen der heutigen Zeit angepasst (z. B. bzgl. der Energieeffizienz). Aber das mag der sehr bewegten Zeit Anfang der 90-er geschuldet und deshalb zum Teil entschuldbar sein.
Der Kurbetrieb spielte von Anfang an Verluste ein. Aber das war zu erwarten und ist keinesfalls nur schlechter Betriebsführung, den Auswirkungen der Gesundheitsreform und anderen Faktoren zuzuschreiben. Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland kein einziges wirtschaftlich arbeitendes Kurzentrum gibt, dann stellt sich die Situation anders dar.
Alle Kurzentren in Deutschland sind bis auf enes in öffentlicher Hand. Warum ist das trotz der erforderlichen Betriebskostenzuschüsse so? Weil die Investition in den Betrieb von Kurbetrieben eine Investition in die Region und deren Wirtschaftskraft darstellt.
Auch in Bad Suderode "lebt" ein Großteil des Ortes unmittelbar und vor allem mittelbar vom Kuzentrum. Allein die verkauften Leistungen (ca. 80% private Kuren) generieren beim Land Steuereinnahmen, die höher als die Zuschüsse sind. Arbeitsplätze im Übernachtungsgewerbe, in der Gastronomie sowie in Service- und Zulieferbetrieben erhalten die Region am Leben und verhindern sonst fällige Kosten der Arbeitslosigkeit.

Warum will das Land diesen zugegebener Maßen stotternden wirtschaftlichen Motor nun unbedingt los werden, obwohl es rund 20 Jahre lang de facto die Verluste getragen hat?

Einerseits hat sich ein inzwischen beträchtlicher Investitionsstau gebildet. Auch konzeptionelle Korrekturen sind erforderlich. Das kostet Geld, welches das Land nicht hat oder nicht ausgeben will. Andererseits scheint das Land selbst keine rechte langfristige Konzeption zu haben. Denn wie ist es sonst zu erklären, dass es inzwischen in unmittelbarer Nähe seine Fördermittel lieber in die Thalenser Therme investiert und damit seinem eigenen Investitionsobjekt Konkurenz vor die Nase setzt?
Es ist aus unserer SIcht nicht zu erklären und wirft Fragen auf. Fragen, welche Konzeptlosigkeit in der Förderpolitik des Landes steckt, oder - schlimmer noch - welche Interessen dahinter stecken, das Kurzentrum fallen zu lassen.
Die Zukunft wird es uns zeigen.

Solange jedenfalls hat Quedlinburg den Schwarzen Peter und muss nach Vorgabe des Landes versuchen, einen privaten Investor zu finden, der aus dem Kurzentrum etwas wirtschaftlich Tragfähiges macht, was möglichst viele Elemente des bisherigen Kurbetriebes erhält. Das ist eine schwierige, wenn nicht gar unlösbare Aufgabe.
Im schlimmsten Fall könnte das Kurzentrum früher oder später "leider" geschlossen werden.

Auch wenn wir den Optimismus des Landes und des Oberbürgermeisters, den er in seiner Einführung zu diesem Tagesordnungspunkt zum Ausdruck brachte, nicht teilen, so denken wir doch, dass es angesichts der beschriebenen Situation der richtige Schritt war, der Beschlussvorlage zuzustimmen, denn die Alternative wäre in der Tat nur die baldige Schließung gewesen. Wünschen wir dem Lenkungsausschuss bei der Vorbereitung der Ausschreibung viel Erfolg und eine glückliche Hand!