Zum Umgang mit Quedlinburgs Umgebung

Zu: Tank- und Rastanlage soll an der B 6n errichtet werden

(Artikel im Quedlinburger Harzboten vom 18. November 2009)

Nun scheint es also amtlich zu werden: Am Schnittpunkt von B 6n und B 79, zwischen Quedlinburg und Halberstadt soll eine Tank- und Rastanlage errichtet werden. Abgeordnete von FDP, QfW und CDU stimmen zu und „haben auch keine ganz großen Bedenken“. Warum auch? Lebensmittel gibt es in Hülle und Fülle in den Supermärkten zu kaufen, da ist der Hinweis, dass wieder einmal mehrere Hektar hochwertigen Ackerlandes einem Bauvorhaben zum Opfer fallen, eher lästig.

Als unlängst in Bonn die große internationale Naturschutzkonferenz stattfand, war die tägliche Inanspruchnahme von bislang unverbauter Fläche, auf 100 ha beziffert worden. Die Bundesregierung hat daraufhin beschlossen, dass dieser Flächenverbrauch auf ca. 30 ha in den nächsten Jahren reduziert werden soll.

Auch das scheint vergessen vor dem Hintergrund der Goldgräberstimmung, die gegenwärtig im Zusammenhang mit der Ausweisung von Gewerbegebieten herrscht. Hochwertigste Ackerböden? Kein Problem! Richtig, wenn dann Stadtrat Sporleder feststellt, dass auch der Naturschutz „Kompromisse“ eingehen muss.

Selbstverständlich, der Naturschutz macht so regelmäßig Kompromisse, dass das im Fall dieser Tank- und Raststätte auch den sprichwörtlichen Kohl nicht mehr fett macht. Da spielt es keine Rolle, dass unweit dieses Standortes eine weitere Raststätte geplant wird. Aber da diese hier ein anderer Planer, pardon Investor, projektiert, wird es sicher auch hier kaum Bedenken geben. Und schließlich kann „der Naturschutz“ auch dort mal Kompromisse machen. So wie bereits im Fall der zahlreichen erschlossenen und noch zu erschließenden Gewerbegebiete, deren effektive Auslastung in den Sternen steht. Damit alles nach Recht und Gesetz geht werden die betroffenen Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet „herausgelöst“.

Das tut auch nicht weh, da „das Umfeld nicht mehr so wertvoll ist“, wie der Stadtrat Deutschbein feststellte.

Ob dieser Sensibilität bleibt einem schon die Spucke weg und ich stelle mir die Frage, was den Wert einer Landschaft ausmacht. Und da zeichnet sich gerade der betreffende Bereich südlich des Steinholzes durch einen kleinteiligen Wechsel von Offenland zu Wald und von Höhenzügen zu flachen Mulden aus. Bereichert wird diese Landschaft noch durch den Zapfenbach, der, wieder mit klarem Wasser gesegnet, die Vorharzlandschaft außerordentlich belebt.

Eigentlich sollte man zur Vereinfachung der Verwaltungsverfahren das Landschaftsschutzgebiet ganz auflösen oder, wie bezeichnenderweise ebenfalls in der Zeitung zu lesen war, dem Beispiel des Landkreises Goslar folgen und den rechtlichen Status des Landschaftsschutzgebietes auf reine Etikettierung stutzen. Denn schließlich haben wir Landschaft reichlich genug!

Apropos Landschaft – es liegt nun der 2. Entwurf des Landesentwicklungsplanes für das Land Sachsen-Anhalt vor. In diesem heisst es unter anderem: „…Um die Funktions- und Regenerationsfähigkeit der Naturgüter Boden … zu erhalten und zu sichern, soll die Beanspruchung des Freiraums durch …Einrichtungen …, gewerbliche Anlagen und andere Nutzungen auf das notwendige Mindestmaß beschränkt werden. …“

Um es abschließend deutlich zu machen: Es geht hier nicht um die Verhinderung einer Raststätte, sondern um die sorgfältige Planung des Standortes. Da drängt sich das Umfeld im Bereich der Abfahrt Quedlinburg-Ost als sinnvolle Alternative geradezu auf.

Noch lässt sich mit intelligenter und sorgfältiger Planung eine Zersiedlung und Verbauung des Areals längs der Trasse der B 6n nördlich der Stadt Quedlinburg eindämmen und in wesentlichen Bereichen auf bereits bestehende Gewerbegebiete konzentrieren.

Uwe Kramer