Thema "Unterstützung der regionalen Wirtschaft in Quedlinburg"

[Thomas Loch]

Wirtschaft, auch im Kleinen!

Ein Handzettel, gut gemacht, den Hirnen der Initiatoren entsprungen und in Quedlinburg hergestellt. Obwohl der Druck des Handzettels z.B. über Internet günstiger gewesen wäre, hat sich das Bürgerforum entschieden, ihn in Quedlinburg drucken zu lassen. Dieses entspricht den wirtschaftlichen Intentionen des Quedlinburger Bürgerforums e.V. und der Erkenntnis, das es besser ist, aktiv auf die bestehenden Wirtschaftsstrukturen Einfluss zu nehmen, als im Kaffeegrund zu lesen und auf die „Ansiedlung leistungsfähiger Wirtschaftsunternehmen“ zu hoffen. Zwar möge die Hoffnung zuletzt sterben, bewirkt hat sie eigentlich noch nie etwas.

So ist der Handzettel des Bürgerforums Quedlinburg e.V. nicht nur gut gestaltet, inhaltlich ausgewogen, mit kurzen, präzisen Aussagen, sondern er wurde auch in Quedlinburg gedruckt. Die Mitglieder und Sympathisanten des Bürgerforums stehen zu ihrem Wort, wenn es um Wirtschaft in der Region geht und verzichten auf, in der Politik übliches, Wunschdenken.

Wirtschaft oder Ökonomie dienen der planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs! Wie das geschieht, mit welchen Mitteln etc. kann als Gradmesser der Entwicklung gelten und spielt eine nachgeordnete Rolle. Wichtig ist in jedem Fall, das Wirtschaft planvoll ist, also bewusstes Sein voraussetzt. Wirtschaft ist die spezifisch, menschliche Form sich mit der Natur auseinander zusetzen, um Bedürfnisse zu befriedigen.

Einmal davon abgesehen das Wirtschaft sich heute oft verselbständigt hat und sich nicht selten mit sich selbst beschäftigt, dient sie doch letztendlich der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, selbst wenn dieses hauptsächlich auf indirektem Weg erfolgt. Menschen müssen essen, trinken, wohne und sich in unserer Klimazone auch kleiden. Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, so wurden die Bedürfnisse hauptsächlich regional, aus den Regionen selbst befriedigt und warum sollte dieses heute nicht mehr/wieder möglich sein?

Daher kommt es eigentlich nicht darauf an, welche Unternehmen sich hier ansiedeln könnten, (solange nicht konkreter Wille zu erkennen ist, welcher durch konkrete Taten untermauert wird, wird der Wunsch der Vater des Gedanken bleiben,) sondern auf die Unternehmen, welche vor Ort sind. Regionale Wirtschaftsförderung sollte an den regionalen Potenzen, Möglichkeiten, Voraussetzungen anknüpfen. Bestehende Wirtschaftsstrukturen gilt es zu nutzen, zu fördern, auch in dem unter Umständen selbst regionale Wirtschaftskreisläufe initiiert werden. Das ist nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch Sinnvoll. Mit einer regionalisierten Wirtschaftsförderung, werden sicher globale Wirtschaftsprobleme nicht zu lösen sein, aber zumindest können deren Auswirkungen auf die Region gemildert werden. Dieses allein schon dadurch, das bestimmte Abhängigkeiten negiert werden. Aber nicht nur Abhängigkeiten werden verringert, sondern es ist auch möglich Arbeitsplätze zu sichern und neu zu schaffen. Dazu kann übrigens ein jeder, allein schon durch Kaufentscheidungen beitragen, wie z.B. mit dem Druck der Handzettel. Sicher ist dieses nicht der „Mammutauftrag“ für die Druckerei, aber viele kleine Aufträge und Auftraggeber, mögen es auch vom Ablauf komplizierter zu handhaben sein, so sind sie letztendlich eine wesentlich stabilere Grundlage fürs Geschäft, als ein großer.

Quedlinburg hat Traditionen und eine entscheidende Basis vergangenen Wohlstandes war die Landwirtschaft. Egal wie diese auch organisiert sein möge, sie könnte es auch heute sein, schon allein wenn mehr Produkte aus der Region direkt auf den Tischen landen würden. Kurz gesagt und wie sich vieles entwickeln kann, so sollte sich eine Region ruhig auf die eigenen Stärken besinnen und diese weiter fördern, es ist in jedem Fall hilfreicher, als der beständige, sehnsüchtig, hoffende Blick in die Ferne. Wenn sich Unternehmen in Quedlinburg ansiedeln wollen, so sollte auch das unterstützt werden, nur sollte vermieden werden, die knappen, öffentlichen Mittel dem Prinzip Hoffnung zu opfern.

Auch nicht zu vergessen, dass die Tradition in Quedlinburg sich selbst zu einen Wirtschaftszweig entwickelt hat. Einen Entscheidenden sogar und nicht nur aus diesem Grund sind Ausgaben für Kultur in dieser Stadt, der Sache nach Ausgaben zur Wirtschaftsförderung. Und wenn gelegentlich gern der Vergleich zu anderen Kommunen gezogen wird, welche trauriger weise nur 2 – 3% für Kultur ausgeben, aber Quedlinburg wesentlich mehr! So gibt es nur zwei Gründe dieses zu tun. Zum einen soll gerade in diesem Bereich gespart werden und zum anderen ist man sich der Bedeutung der Kultur und kulturellen Einrichtungen für den Tourismus nicht bewusst, vielleicht möcht man auch nur dem Bürger ein X für ein U vormachen, um selbst in einem besserem Licht zu erscheinen. Anders stellt sich die Angelegenheit aber da, wenn Wirtschaftsförderung und Kulturausgaben als Blog gesehen werden und einem entsprechendem Vergleich zu Grunde gelegt werden.

Das der Tourismus ein entscheidender Wirtschaftsfaktor in Quedlinburg ist, kann wohl kaum geleugnet werden und nicht nur in diesem Bereich, sind es gerade die vor Ort ansässigen Unternehmen, welche dafür sorgen, dass Geld in der Stadt gehalten wird.

Nun ist ein jeder Bürger der Stadt in der Lage aktive Wirtschaftsförderung für die Region zu betreiben, aber auch eine jede Partei und politische Gruppierung sollte dieses leisten können, das Bürgerforum Quedlinburg geht da mit gutem Beispiel voran und nicht nur in dem es seine Handzettel in Quedlinburg drucken lässt. Das Engagement gegen den Verkauf der Quedlinburger Stadtwerke war ebenfalls ein Ausdruck dafür, genauso wie das Einbringen in zukünftige Gestaltung regionaler Wirtschaftsstrukturen. Notwendigkeiten wurden erkannt und es wird gehandelt, es werden Ideenen entwickelt, deren Umsetzungen wirtschaftliche Sicherheit in Quedlinburg gewährleisten können. Mit dem Erhalt der Stadtwerke, eines primär wirtschaftlichen Unternehmens, im kommunalen Eigentum, ist der direkte Einfluss und damit die wirtschaftliche Gestaltungshoheit erhalten geblieben. Um den zukünftigen Erfordernissen gerecht zu werden, wird es notwendig sein die Stadtwerke in einem noch größerem Maße von einen Energiehändler, zu einen Energieproduzenten, unter Nutzung regional, vorhandener, natürlicher Ressourcen, zu entwickeln. Letztendlich werden in Zukunft auch für Unternehmensansidlungen die Energiepreise noch an Bedeutung zunehmen. Gute Gewerbegebiete werden an vielen Orten angeboten, preiswerte Energie seltener.

Aber wie schon geschrieben, ein jeder hat es auch selbst in der Hand und miteinander ist immer besser als Gegeneinander, die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt. Letzendlich ist sie Mittel zum Zweck und als solches solten wir sie begreifen und für uns nutzen.