12/05 2009

Thema "Verkehrsplanungen in der sensiblen Quedlinburger Umgebung"

Planungen an der B6n oder der sorgfältige Umgang mit der Umgebung der Stadt

[Uwe Kramer]

Quedlinburg. Seit nunmehr 1 ½ Jahren ist die Lücke in der B 6n bei Quedlinburg geschlossen; man kann jetzt in 25 Minuten von Quedlinburg nach Wernigerode fahren und die schier endlosen LKW-Kolonnen durch die Stadt sind weitgehend Vergangenheit. Im Normalfall kann die Stadt zügig durchfahren werden.

So weit so gut.

Natürlich unterstützen wir Pläne, Unternehmen die Ansiedlung in oder bei Quedlinburg zu ermöglichen ihnen Hilfe bei der Standortfindung zu gewähren und bei Bedarf Flächen für gewerbliche Nutzung vorzuhalten.
Jedoch als jemand, der viel in der schönen Umgebung Quedlinburgs unterwegs ist, registriere ich teilweise mit Sorge Pläne und Vorhaben, die auf Baumaßnahmen in bislang unverbautem Gelände hinauslaufen. Und die Alarmglocke schrillen, wenn es sich dabei um landschaftlich interessante und schöne Gebiete handelt, die auch für die Naherholung und damit für die Lebensqualität der Quedlinburger von überragender Bedeutung sind.

Das ist der Fall am Lehof, wo Gerüchte über eine beidseitig zu errichtende Raststätte an der B 6n die Runde machen.

Was bedeutet das? Ein außerordentlich beliebtes Ausflugsgebiet, wo man zu jeder Zeit Menschen trifft, grenzt dann unmittelbar an einer großen Raststätte. Für die Quedlinburger würde das eine weitere Einschränkung von Lebensqualität bedeuten, zumal das ebenfalls stark frequentierte Naherholungsgebiet am Ochsenkopf in absehbarer Zeit von der dortigen Umgehungsstraße (B6n – Abfahrt Quedlinburg-Ost – Gernrode) durchschnitten werden wird, was zu einer erheblichen Einschränkung des Erlebnis- und Erholungswertes im betreffenden Gebiet führt.

Noch lässt sich in der Gemarkung Quedlinburg die einzigartige natürliche Vielfalt der Aufrichtungszone des nördlichen Harzvorlandes erleben. Diese Landschaft weist auf kleinstem Raum eine unwahrscheinlich große Vielfalt an unterschiedlichen Standorten auf. Das reicht von Feuchtgebieten bis hin zu Trockenbiotopen; von offenem Grasland bis hin zu schönen Wäldern – von weiten offenen Landschaften bis zu schroffen, eindrucksvollen Felspartien.

Diese Landschaft stellt nicht nur für eine große Anzahl von Pflanzen und Tieren einen Lebensraum dar, sondern ist auch für die hier lebenden Menschen unendlich wichtig: Für die hier wirtschaftenden Landwirte ist der – hier zumeist sehr hochwertige – Boden der wichtigsten Produktionsfaktor. Aber auch für die anderen Quedlinburger, die hier gern wandern oder spazieren gehen, Sport treiben oder einfach nur ihren Hund Gassi führen, stellt die Umgebung Quedlinburgs ein schönes Naherholungsgebiet dar.

Um es klar zu stellen: Natürlich fehlt entlang der B6n zwischen Dreieck Vienenburg und Güsten eine Raststätte. Nur – gerade in einer solch schönen und naturräumlich sensiblen Landschaft wie dem nördlichen Harzvorland ist eine intelligente Raumplanung dringend geboten. Und wenn die B6n-Raststätte im Raum Quedlinburg ihren Standort findet, so sollte dies in einem bereits bebauten Gebiet sein; ein Standort, der den Umfang des Eingriffes in Natur und Landschaft – und damit nachteilige Auswirkungen für die hier lebenden und arbeitenden Menschen – minimiert!
Hierfür bietet sich der Raum B6n - Abfahrt / Auffahrt Quedlinburg-Ost (Gewerbegebiet) an.